Anthropologie

 

Anthropologie (die):

[aus altgriechisch ánthrōpos ‚Mensch’ und lógos ‚Lehre‘] ist die Lehre bzw. Wissenschaft vom Menschen. Sie wird im deutschen Sprachraum und in vielen europäischen Ländern in erster Linie als Naturwissenschaft verstanden. Die naturwissenschaftliche Anthropologie (auch physische Anthropologie) betrachtet den Menschen im Anschluss an die Evolutionstheorie von Charles Darwin als biologisches Wesen.


Anthropologie als Disziplin in rechtsmedizinischen Fragestellungen:

 Der naturwissenschaftlich orientierte Zweig der Anthropologie beschäftigt sich im Rahmen der Datenerhebung vor allem mit den menschlichen Hartgeweben in unverbranntem und verbranntem Zustand – also dem Skelettmaterial. Seltener, aufgrund der hiesigen Erhaltungszustände, werden weitere Überlieferungsformen des menschlichen Gewebes, wie Mumien und Moorleichen etc. untersucht. Zu den allgemein üblichen Untersuchungen zählen dabei die Alters- und Geschlechtsdiagnose, die Bestimmung der Körperhöhe, Verletzungsspuren sowie differentialdiagnostische Untersuchungen auf Krankheiten und außergewöhnliche Belastungen zu Lebzeiten. Mittlerweile rücken außerdem einfache bzw. auch aufwendige Genanalysen am teilweise degradierten Erbgut in den Vordergrund (PCR & shotgun-sequencing). Mit Hilfe von Isotopenuntersuchungen an Zähnen lassen sich gegebenenfalls Ernährungs- und Heiratsmuster ablesen.Gesichtsrekonstruktionen an skelettierten Überresten sind prinzipiell möglich.
Der Nutzen für die Verbrechensaufklärung besteht somit vor allem darin, dass Anthropologen darin geschult sind, menschliche Überreste mit vergleichsweise hohen Liegedauern zu beurteilen und sich liegemilieubedingter Einflüsse wie auch taphonomischer Prozesse bewusst sind. Des Weiteren bedarf vor allem die Untersuchung verbrannter Überreste eines hohen Grades an Erfahrung, wie diese gerade bei Anthropologen zu finden ist, die sich mit Zeitstellungen auseinandersetzen, in denen die Brandbestattung üblich war.


Forensische Anthropologie:

Die forensische Anthropologie ist eine der drei gerichtlichen Wissenschaften vom Menschen, neben der Rechtsmedizin und der forensischen Odontologie.

Gebiete der forensischen Anthropologie:

    • Identifizierung nach Bildern. Die meisten bearbeiteten Fälle betreffen Ordnungswidrigkeiten im Verkehr, also Schnellfahrer und Rotmissachter, die spektakulären Fälle betreffen Bankräuber oder auch zeitgeschichtliche Personen.
    • Identifizierung von Skeletten und teilskelettierten Leichen, auch in Massengräbern
    • Altersdiagnose, insbesondere bei jungen Straftätern
    • Abstammungsgutachten
    • Zwillingsdiagnose

Die forensische Anthropologie dient mit den Mitteln der Anthropologie bei der Aufklärung von Verbrechen. Forensische Anthropologen haben vor allem mit der Identifikation von Bankräubern, Schnellfahrern etc. zu tun, dann auch häufig mit stark verwesten oder vollständig skelettierten Leichen. Nicht selten sind sie die letzte Hoffnung zur Aufklärung eines Verbrechens.