Jun 172014
 

Kurzbiographie:

 

Thomas Rung gilt als der gefährlichste Serienmörder Berlins seit Kriegsende.

Rung wurde 1961 als sechstes Kind des brutalen Alkoholikers Karl Rung und dessen Ehefrau Elfriede geboren. 1963 verließ Elfriede Rung ihren Ehemann und die sieben Kinder. Nun ließ der Vater seine Wut an den Kindern aus. Besonders Rung hatte darunter sehr zu leiden. Auch die neue Geliebte von Karl Rung mochte ihn nicht. Abends erzählte sie ihrem Mann jeweils, dass Rung in der Zeit, während der Vater arbeiten gewesen sei, Dummheiten gemacht habe. Dann bekam er die übliche Tracht Prügel. Rung zog sich immer mehr zurück.

Rung besuchte die Sonderschule und fiel schon während seiner Schulzeit durch Einbrüche und Körperverletzung auf. Vor seiner Festnahme im Jahr 1995 befand sich Rung schon viele Male vorher wegen verschiedener Delikte in Haft.

Als er im Alter von vierzehn Jahren bei Laden- und Fahrraddiebstählen erwischt wurde, sagte der Vater ihm, er würde ihn totprügeln. Weder die Geschwister noch die neue Lebensgefährtin seines Vaters halfen Rung. Angesichts dieser moralischen Vereinsamung wurden alle Gefühle in ihm vernichtet.

Seine erste Arreststrafe erhielt Rung 1975, nachdem er einem anderen Kind in das Hinterrad des Fahrrads getreten hatte. Der Junge stürzte und verletzte sich. Die drei Tage Arrest machten Rung damals schon nichts aus und er zeigte auch keinerlei Reue gegenüber seinem Opfer. 1977 stahl er einem Bauern ein Gewehr und wurde kurz darauf wegen „Diebstahls einer Schusswaffe“ und „unerlaubtem Führens einer Schusswaffe“ zu Sozialarbeit verurteilt. Im selben Jahr verließ Rung sein Heimatdorf und fand eine Bleibe bei einem Freund seines Bruders in Berlin. Im Juli 1977 überfielen er und ein Freund seines Gastgebers eine alte Dame und stahlen ihr die Handtasche. Voller Euphorie beschlossen sie, ein paar Straßen weiter einen weiteren Diebstahl zu begehen. Diese alte Dame zog sich beim Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zu. Eine Polizeistreife konnte Rung kurz darauf festnehmen. Auch sein Komplize wurde verhaftet, jedoch sagte dieser vor Gericht aus, Rung habe den Überfall alleine getätigt und erhielt nur ein Jahr auf Bewährung. Rung selbst musste für zwei Jahre ins Gefängnis.

Nach vorzeitiger Entlassung im November 1978 versuchte er, in einer Weddinger Kneipe eine Frau sexuell zu missbrauchen. Sie konnte sich allerdings erfolgreich wehren und erstattete Anzeige, welche jedoch im Nichts verlief. 1979 wurde Rung erneut festgenommen, weil er mit einem Bekannten stark alkoholisiert ein Tabakgeschäft überfiel und den Dienstwagen benutzte, um das Diebesgut abzutransportieren. Sein Bekannter konnte erfolgreich entkommen, Rung wurde zu vierzehn Monaten Haft verurteilt.

1981 kam Rung erneut für drei Jahre ins Gefängnis, da bei einem Einbruch, der zu einer ganzen Einbruchsserie gehörte, Fingerabdrücke ausgewertet werden konnten. Nach sechsundzwanzig Monaten wurde Rung frühzeitig entlassen und schwor sich, nie wieder “in den Knast zu wandern”. Folglich beschloss er, seine künftigen Opfer zu töten, um keine Zeugen zurückzulassen.

Zwischen 1983 und 1995 brachte er insgesamt sechs Frauen und einen Mann um. Seine Opfer wurden von ihm vergewaltigt, erwürgt, ertränkt oder erstickt. Wegen der unterschiedlichen Vorgehensweisen konnte lange Zeit kein Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten hergestellt werden. Zwei der Opfer – seine 77-jährige Vermieterin sowie eine 22-jährige Studentin – wurden 1983 in der Silbersteinstraße in Berlin-Neukölln ermordet. Für Rungs ersten Mord an seiner Vermieterin wurde ein anderer Verdächtiger irrtümlich verurteilt und sechs Jahre lang inhaftiert.

Rung wurde 1995 festgenommen und ein Jahr später zu zweimal lebenslanger Freiheitsstrafe mit anschließender zehnjähriger Sicherungsverwahrung verurteilt. Er wurde in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel inhaftiert. Da Rung während seiner Haft jedoch erneute Straftaten in Form von gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes beging, wurde diese begrenzte Sicherung in eine unbegrenzte umgewandelt.

In der JVA Tegel misshandelte er 2001 einen Mithäftling und wurde deshalb zu zusätzlichen zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Weil Rung 2003 erneut einen Mithäftling – diesmal lebensgefährlich – verletzte, verhängte das Berliner Landgericht 2004 zehn weitere Jahre Haft und eine zweite, diesmal unbegrenzte, Sicherungsverwahrung wegen versuchten Totschlags. Rung wurde anschließend in Berlin-Moabit inhaftiert, da die Vollzugsanstalt Tegel sich weigerte, ihn noch einmal aufzunehmen. Zur Zeit sitzt Thomas Rung in Niedersachsen in der JVA Celle ein, welche als eine der härtesten Strafvollzugsanstalten Deutschlands gilt.